Der Kunstmarkt nach dem Brexit – 5 Änderungen ab 2021

Der Kunstmarkt nach dem Brexit – 5 Änderungen ab 2021

Keine 2 Monate mehr bis zum Ende der Übergangsphase und der endgültigen Trennung zwischen dem Vereinigten Königreich und der Europäischen Union nach 47 gemeinsamen Jahren. In diesen unsicheren Zeiten von COVID-19, Ausgangssperren und wirtschaftlichen Problemen müssen sich Kunstmarkt und Kunstsammler, insbesondere in Europa, sich an neue Gegebenheiten anpassen müssen.

Gut vorbereitet

Versichern Sie sich zuerst, ob Sie ausreichend auf den Brexit vorbereitet sind. In unseren Blog finden Sie einige Hinweise, was Sie bei ihren Vorbereitungen beachten müssen. Oder setzen Sie sich mit uns in Verbindung, damit wir Sie persönlich beraten können.

Ihr Hauptanliegen sollten Kunstwerke im zollrechtlich freien Verkehr (d. H. für die bereits Mehrwertsteuer bezahlt wurde) sein, die sich derzeit im Vereinigten Königreich befinden und dort bis nach dem 1. Januar bleiben sollen. Um sie 2021 in die EU zurückzubringen, bedarf es einer Ausfuhrerklärung im Vereinigten Königreich sowie einer Einfuhrerklärung in der EU. Dies bedeutet auch, dass Sie in den meisten Fällen erneut Einfuhrumsatzsteuer auf den Wert des Kunstwerks zahlen müssen. Theoretisch wäre es möglich, diese Fälle als Rücksendungsware zu behandeln, wie Kunstwerke, die von Ausstellungen außerhalb der EU zurückkehren. Da beim Transport nach Großbritannien, das ja bis Ende 2020 noch Mitglied der EU-Zollunion ist, jedoch kein Zolldokument ausgestellt wurde, hängt diese Möglichkeit allein vom Ermessen Ihrer örtlichen Zollverwaltung ab.

Um auf der sicheren Seite zu sein, empfehlen wir dringend, Kunstwerke noch vor Jahresende zurück in die EU zu bringen. Fragen Sie uns hierfür gerne nach unseren speziellen Lagerpreisen in unserem Kunstlager im LE FREEPORT in Luxemburg.

Mehrwertsteuer & freier Warenverkehr

Nur wenige Kunstsammler zahlen gerne Mehrwertsteuer. Sie hat jedoch einen entscheidenden Vorteil in der EU – den freien Warenverkehr. Dies bedeutet, dass Kunst, für die bereits in der EU-Mehrwertsteuer entrichtet wurde, ohne weitere Steuer in jedes andere EU-Land reisen kann. Ab dem 1. Januar 2020 wird dies bei Kunst, die in Großbritannien gekauft wird, nicht mehr der Fall sein. Für einige EU-Sammler, die zum Beispiel keine Lust auf zu viele Formalitäten haben, könnte dies bedeuten, dass der Kauf von Kunst in London in Zukunft keine Option mehr sein wird. Andere Städte in Europa könnten davon profitieren, vor allem Paris mit seinem breiten Angebot an Galerien, Kunsthändlern und den großen Auktionshäusern Christie’s und Sotheby’s.

Import & Einfuhrumsatzsteuer

Für Kunstsammler aus der EU, die weiterhin in London einkaufen, bringt der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Zollunion zwar große Veränderungen mit sich, aber auch neue Möglichkeiten um Steuern zu sparen.

Beginnen wir mit etwas Offensichtlichem: Versierte Kunstkäufer sollten beachten, dass sie ab Januar in London keine Kunst mehr zum derzeit unschlagbag günstigen Steuersatz von 5% in die EU importieren können. Wenn Sie vermeiden möchten, Ihre Kunstwerke nach Malta (5%) oder Zypern (5%) zu transportieren, bietet sich Frankreich mit einem Steuersatz von 5.5% für den Import von Kunst an. Bedenken Sie dabei, dass Sich Ihre Kunst physisch im gewählten Mitgliedstaat befinden muss, um von dem jeweiligen Steuersatz zu profitieren. Daher sind Staaten im Mittelmeer trotz ihrer sehr vorteilhaften Steuersystemen höchstwahrscheinlich keine großartige Lösung.

Der Austritt Großbritanniens aus der EU bietet jedoch auch die Chance, die Mehrwertsteuer auf Einkäufe, die nach dem Brexit auf der Insel getätigt werden, zu reduzieren oder ganz auszusetzen. Jeder Einkauf im Vereinigten Königreich, der ab dem 1. Januar in die EU exportiert wird, profitiert vom so genannten “Zero-Rating”, was bedeutet, dass Sie 0 % Mehrwertsteuer auf den Kauf im Vereinigten Königreich zahlen. Nach der Ausfuhr können Sie dann ein Zolllager wie z.B. LE FREEPORT nutzen, um von einer zeitlich unbegrenzten Aussetzung der Mehrwertsteuer zu profitieren. Wenn Sie das Kunstwerk lieber importieren möchten, zahlen Sie nur einen ermäßigten Einfuhrumsatzsteuersatz im Vergleich zu den normalen Mehrwertsteuersätzen in den meisten Ländern der EU.

Transaktionen mit Margenbesteuerung

Bei vielen Kunstkäufe wird die Steuer nur auf die Marge des Verkäufers erhoben. Vereinfacht gesagt muss der Verkäufer von “gebrauchten” Waren nur Mehrwertsteuer auf den Gewinn entrichten, den sich aus der Differenz zwischen seinem Einkaufspreis und dem Endverkaufspreis ergibt. Waren, die in der EU gekauft werden und von der Margenbesteuerung profitieren kommen so in den Genuss des freien Warenverkehrs.

Dies gilt natürlich nicht mehr für Kunst, die in Großbritannien nach dem Brexit gekauft wurde. Falls Sie sich entscheiden, ein im Vereinigten Königreich gekauftes Kunstwerk nach Europa zu exportieren, ist es wichtig, darauf zu bestehen, dass der Verkäufer das normale Steuersystem anwendet. Ihr Einkauf ist so in Großbritannien von der Mehrwertsteuer befreit. Der Verkaufspreis sollte auch niedriger sein als im Rahmen der Margenbesteuerung, da der Verkäufer ja keine Mehrwertsteuer auf den Verkaufspreis abführen muss. Es kann in jedem Fall also nicht schaden, sich nach einem Rabatt zu erkundigen, insbesondere wenn Sie noch nicht mit den Verhandlungen über den Preis begonnen haben.

Servus Schweiz

Der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU hat einen weiteren großen Vorteil für europäische Kunstsammler, die ihre Steuerlast und ihre Gesamtkosten senken wollen. Analog zum Export von Kunst aus dem Vereinigten Königreich in die EU werden in der EU verkaufte Kunstwerke, die in ein Nicht-EU-Land exportiert werden, mit 0 % besteuert. Derzeit ist aber die Schweiz das einzige Nicht-EU-Land in Kontinentaleuropa. Schweizer Dienstleister wie der der Genfer Freeport profitieren stark von diesem Alleinstellungsmerkmal und lassen sich dieses Privileg und ihre Dienste entsprechend bezahlen. Schließlich ist die einzige Alternative ein teurer Flugtransport in die USA oder nach Asien, was für europäische Kunstsammler keine wirkliche Lösung ist.

Ab dem 1. Januar können Kunstsammler auch Großbritannien als Exportziel für ihre neu gekauften Kunstwerke wählen. Die Zollformalitäten und Anforderungen sind die gleichen wie für den Export in die Schweiz. Es ist aber davon auszugehen, dass das Vereinigte Königreich insbesondere beim Thema Preis viel wettbewerbsfähiger sein wird. Angesichts der hohen Zahl von Kunstspediteuren und Kunstlagern im Vereinigten Königreich mit deutlich niedrigeren Lohnkosten als in der Schweiz wird sich Großbritannien nach dem Brexit als attraktive Alternative erweisen.

Nächste Schritte

Wenn Sie noch Kunstwerke in Großbritannien haben oder wissen wollen, wie Sie sämtliche Veränderungen ab 2021 am besten nutzen können, steht Ihnen Fine Art Logistics Natural Le Coultre als verlässlicher Partner gerne zur Seite. Wir beraten Sie auch gerne über die Möglichkeit, Ihre Kunstsammlung unter optimalen Bedingungen bei uns im LE FREEPORT einzulagern.